ich möchte mich an diejenigen von Ihnen wenden, die Angst haben – und vielleicht gerade jetzt auf der Suche nach einem Zahnarzt sind, dem sie vertrauen können.
In letzter Zeit – erstaunlich selbst für mich – haben sich viele Menschen mit Zahnarztangst (Stomatophobie) an unsere Praxis gewandt. Das hat mich sehr gefreut und zugleich dazu bewegt, diesen Brief an Sie zu schreiben.
Nach vielen Gesprächen mit Patienten, die alle ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Gründe hatten, den Zahnarzt zu vermeiden, habe ich bestimmte Gemeinsamkeiten erkannt. Diese Muster erschweren es oft, wieder Vertrauen zu fassen und einen Zahnarztbesuch als etwas Normales zu erleben.
Ich möchte meine Eindrücke mit Ihnen teilen – vielleicht erkennen Sie sich in dem einen oder anderen Punkt wieder. Und vielleicht wird dadurch der erste Schritt ein wenig leichter.
Viele von Ihnen können sich selbst nicht verzeihen, dass sie so lange nicht beim Zahnarzt waren – und dass die Situation im Mund nun so ist, wie sie ist.
Doch Schuldgefühle helfen nicht. Glauben Sie mir: Damals haben Sie die beste Lösung gewählt, die Ihnen in diesem Moment möglich war.
Es ist absolut menschlich, dass wir Situationen vermeiden, in denen wir uns unsicher oder hilflos gefühlt haben – besonders, wenn es um schmerzhafte oder traumatische Erfahrungen geht, die oft schon in der Kindheit entstanden sind. Viele Menschen erinnern sich an respektlose oder unsensible Behandlungen, die Angst und Misstrauen hinterlassen haben.
Statt Schuld zu empfinden, versuchen Sie, Verständnis für sich selbst zu entwickeln. Sie hatten gute Gründe, so zu handeln, wie Sie gehandelt haben.
Wenn Sie die Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachten, können Sie vielleicht sogar etwas Positives darin erkennen – zum Beispiel, dass Sie heute die Ängste anderer besser verstehen.
Wichtig ist nur eines: Heute zählt, was Sie möchten und ob Sie bereit sind, etwas zu verändern.
Viele Menschen mit Zahnarztangst berichten, dass sie sich schämen – vor dem Zahnarzt, vor dem Zustand ihrer Zähne oder davor, dass sie so lange gewartet haben.
Und sie fürchten, der Zahnarzt könnte sie tadeln oder kritisieren.
Mein Rat ist ganz einfach: Wenn Sie sich unwohl fühlen oder sich jemand respektlos verhält – stehen Sie auf und gehen Sie.
Sie sind ein erwachsener Mensch, und jeder Zahnarzt hat das zu respektieren.
Alles im Leben kommt zur rechten Zeit. Entwicklung braucht Geduld – Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.
Wenn Sie merken, dass dieser Zahnarzt nicht der richtige für Sie ist, suchen Sie weiter. Es ist Ihr gutes Recht, sich dort behandeln zu lassen, wo Sie sich sicher fühlen.
Das höre ich sehr oft.
Viele Patienten wünschen sich einfach, verstanden zu werden. Und genau hier liegt ein wichtiger Schlüssel: Das Gegenteil von Angst ist nicht Ruhe oder Stille, sondern Vertrauen.
Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen – es braucht Zeit und gemeinsame Erfahrung.
Helfen Sie Ihrem Zahnarzt, Ihr Vertrauen zu gewinnen. Sprechen Sie offen über Ihre Gefühle und Bedürfnisse.
Überlegen Sie: Was brauche ich, um mich wohler zu fühlen?
Formulieren Sie es ruhig – auch wenn es viele Punkte sind.
Denn wenn Sie selbst nicht wissen, was Sie brauchen, kann es der Zahnarzt auch nicht wissen.
Fragen Sie sich:
– Was möchte ich statt Angst empfinden?
– Wie möchte ich mich beim Zahnarzt fühlen?
Je klarer Sie diese Fragen beantworten, desto besser kann Ihr Zahnarzt auf Sie eingehen.
Diese Frage ist berechtigt.
Wie entscheiden wir, ob ein Mensch zu uns passt – in einer Freundschaft oder Partnerschaft? Oft geschieht es unbewusst: Wir spüren, ob Vertrauen da ist.
Ähnlich ist es beim Zahnarzt. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl:
Versteht dieser Mensch meine Angst? Fühle ich mich sicher bei ihm? Kann ich ihm vertrauen?
Überlegen Sie vorher, was Ihnen in dieser Beziehung wichtig ist – Offenheit, Ruhe, Zeit, Empathie.
Am Anfang reicht oft ein Termin für ein Gespräch, in dem Sie Ihre Sorgen schildern.
Wenn Sie danach das Gefühl haben, dass aus dieser Begegnung Vertrauen wachsen kann – dann sind Sie auf dem richtigen Weg.
Es ist sehr wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben.
Stellen Sie sich vor, wie Sie nach der Behandlung aussehen möchten – gesund, frei, mit einem Lächeln, das Sie gerne zeigen.
Fragen Sie sich: Wie würde ich mich fühlen, wenn alles wieder in Ordnung ist?
Dieses innere Bild ist eine starke Kraftquelle. Es gibt Ihnen Motivation, Mut und Richtung.
Jede Veränderung beginnt mit einer Vorstellung davon, wie es sein kann.
Je klarer Sie dieses Ziel sehen, desto leichter wird es, den Weg dorthin zu gehen – Schritt für Schritt, in Ihrem eigenen Tempo.